Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Leserinnen und Leser,
haben Sie sich jemals gefragt, was in den dunklen, spinnwebverhangenen Winkeln einer Werkstatt geschieht, wenn das Licht der Gaslampe oder der Kerze hinter der Schusterkugel langsam zur Neige geht? Man sucht nach einem Stück festem Oberleder oder einem Poliertuch, doch was man findet, ist weit mehr als nur totes Material. Es ist Geschichte. Oder in meinem Fall: ein Partner mit Durchblick.
Kürzlich erst, als ich über der Frage brütete, warum ein modernes Mobiltelefon heutzutage so viel kostet wie früher ein ganzer Fuhrpark samt Kutscher, stieß ich in der hintersten Ecke meines Regals auf eine alte Holzkiste. Darin ruhte er, bedeckt vom Staub der Jahrzehnte: Ein Hammer. Aber nicht irgendein Werkzeug. Sein Kopf glänzte matt, und auf seiner Nase – ja, Sie lesen richtig – thronte eine winzige, perfekt gearbeitete Brille. Auf dem hölzernen Schaft prangte der Schriftzug: „Pfefferkorn. blog“.
Darf ich vorstellen? Das ist Pfeffi. Er ist mein neuer, alter Geselle. Während ich dazu neige, weit auszuholen und das große Ganze zu betrachten (manchmal vielleicht ein wenig zu ausschweifend, wie man mir nachsagt), ist Pfeffi der Mann – oder vielmehr das Eisen – fürs Grobe und zugleich fürs Feine. Er schlägt nicht blind zu. Er schaut erst scharf durch seine Gläser, analysiert die weichen Stellen in der Argumentation und setzt dann den punktgenauen Schlag auf den Kopf des Nagels.
Es ist eine wunderbare Symbiose: Ich ziehe vom Leder, und Pfeffi sorgt dafür, dass die Pointen dort landen, wo sie hingehören. Sei es nun, um den hohlen Phrasen der Moderne den Boden auszuschlagen oder um ein festsitzendes Vorurteil mit einem gezielten Hieb zu lockern. Gemeinsam werden wir nun regelmäßig das Weltgeschehen unter unsere Lupe – und unter unseren Hammer – nehmen.
Denn eines habe ich gelernt: Wer die Welt nur mit bloßem Auge betrachtet, sieht oft nur die glänzende Oberfläche. Man braucht jemanden, der auch hinter die Fassade blickt und notfalls mal kräftig zuschlägt, wenn das Material der Wahrheit mal wieder allzu spröde ist.
Pfeffi meint: „Meister, weniger schwadronieren, mehr hämmern! Wenn die Leser bei der Einleitung schon einschlafen, nützt auch das beste Leder nichts mehr. Und setzen Sie die Brille auf – die Welt wird da draußen nicht schärfer, nur weil Sie schöner darüber schreiben!“
Vielleicht sollten auch Sie hin und wieder in Ihren eigenen dunklen Ecken stöbern. Wer weiß, welches scharfsichtige Werkzeug dort auf seinen Einsatz wartet, um Ihnen den Blick auf das Wesentliche zu schärfen?
Ihr Karl Pfefferkorn
Schuhmachermeister und nun endlich unter fachkundiger Aufsicht seines Gesellen.


