Der flache Gehilfe und die Katastrophe im Wohnzimmer: Wenn der Saugroboter zum Künstler wird

Verehrte Leserinnen und Leser, geschätzte Freunde der häuslichen Reinlichkeit,

man muss es unumwunden zugeben: Es ist ein grandioser Einfall, die ungeliebte Kehrarbeit an eine flache, surrende Scheibe zu delegieren. Während man selbst mit einer Tasse Kaffee den Blick über die Felder von Großsteinberg schweifen lässt, patrouilliert der kleine Kamerad unermüdlich unter dem Sofa und lehrt den Wollmäusen das Fürchten. Ein technisches Wunderwerk, das uns die Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens schenkt – so sollte man meinen.

Doch der Mensch begeht einen entscheidenden Denkfehler: Er verwechselt Automatisierung mit Intelligenz. Dieser Saugroboter ist nämlich ein sturer Geselle. Er hat seinen Plan, er hat seine Sensoren, aber er hat kein Urteilsvermögen. Er sieht die Welt in „Hindernis“ oder „kein Hindernis“. Und genau hier beginnt das Drama, meine Herrschaften, das oft dort seinen Lauf nimmt, wo die Technik auf die unvorhersehbare Natur der sächsischen Hauskatze trifft.

Stellen Sie sich vor, der Stubentiger hat – aus einer Laune des Magens heraus – ein kleines, unappetitliches „Präsent“ auf dem Teppich hinterlassen. Ein aufmerksamer Mensch mit einem Besen würde kurz innehalten, die Nase rümpfen und zur Schaufel greifen. Aber nicht unser digitaler Dienstbote! Für ihn ist das Malheur kein „Vorkommnis“, sondern lediglich ein zu vernachlässigender Widerstand auf der Fahrbahn. Mit der stoischen Ruhe eines preußischen Beamten fährt er mitten hindurch.

Und dann, verehrte Leser, geschieht das Unvermeidliche: Da der Roboter ja pflichtbewusst jeden Quadratzentimeter des Zimmers abfahren will, nutzt er die rotierenden Bürsten, um das eben aufgenommene Material großzügig und mit künstlerischem Schwung auf dem gesamten Parkett zu verteilen. Aus einem kleinen Missgeschick wird eine flächendeckende, braune Abstraktion, die jedem modernen Museum Ehre machen würde – nur der Geruch passt nicht so recht zur Vernissage.

Man kommt abends nach Hause, freut sich auf die saubere Stube und findet stattdessen eine Laufbahn vor, die aussieht, als hätte eine Herde Miniatur-Elefanten darin Schlamm-Ringen geübt. Da hilft dann keine künstliche Intelligenz mehr, da hilft nur noch der gute alte Schrubber und eine kräftige Portion Galgenhumor.

Die Moral von der Geschicht’? Die Technik ist fabelhaft, sie nimmt uns die Last der Routine – aber sie entbindet uns nicht von der Pflicht, vorher mal kurz die Augen aufzumachen. Ein Roboter kann zwar saugen, aber er kann nicht riechen. Und solange er das nicht kann, bleibt der Mensch der Chef im Ring – oder eben derjenige, der hinterher die Bescherung aufwischt.

Ihr Karl Pfefferkorn

Schuhmachermeister und Verfechter der manuellen Endkontrolle


Karl Pfefferkorn (1897-1961)
Schuhmachermeister zu Großsteinberg